TG Bad Waldsee Volleyball

Hart erkämpfter 3:0 Sieg in Esslingen nach einem nervenzerfetzenden Match

Von Franz Vogel

Der 3:0 (25:23, 25:23, 25:23) Auswärtssieg beim Absteiger SV Esslingen sichert der Mannschaft von Trainerin Evi Müllerschön zwei Spieltage vor Schluss den Titel in der Oberliga und den damit verbundenen Aufstieg in die Regionalliga Baden Württemberg. Die Verantwortlichen der TG Bad Waldsee hatten im Vorfeld dieses Spiels den Ball eher flach gehalten und auf das Angebot eines Fanbusses nach Esslingen verzichtet.

Somit waren es nur ein gutes Dutzend oberschwäbischer Schlachtenbummler, die dem TG –Team – wenn auch lautstark – den Rücken stärkten. Es mag für die Daheimgebliebenen tröstlich klingen, von einer Nervenanspannung der extremen Art verschont geblieben zu sein. Was sich in den knapp 85 Minuten Spielzeit abspielte, durchlitten auch altgediente Volleyballexperten in einem andauernden Wechselbad der Gefühle.

Da stand auf der einen Seite ein Gastgeberteam, das als Aufsteiger zum Abstieg verdammt ist, noch um seinen allerletzten theoretischen Strohhalm zum Klassenerhalt kämpfte und sich nach dem Spiel vermutlich fragte, warum man zuhause so ein Spiel verlieren kann. Der SV Esslingen hatte – klug geführt von einem kompetenten und ruhigen Trainer - alles, aber auch alles in die Waagschale geworfen, das Ganze unterstützt durch eine erkleckliche Zahl eigener Fans. Es sollte umsonst gewesen sein.

Seitens des klar führenden Spitzenreiters wusste man sich in der ungeliebten Rolle des Favoriten, alles andere hätte die Realitäten verzerrt. Dazuhin war die Ausgangsposition des Siegenwollens- oder müssens mit 3:0 oder 3:1 auch klar. „Das ist kein normales Spiel“, stammelte ein sichtlich genervter Jürgen Herkommer nach dem ersten Durchgang, ein Mann, der den Bad Waldseer Volleyball wie kein anderer lebt und geprägt hat. Was er damit meinte, spiegelte sich augenfällig im Auftreten der Kurstädter. Als seien sie von einer zentnerschweren Last gedrückt, bewegte sich Schwarzblau auf dem Feld, nicht imstande, ihre so sehr bestaunte Spielkunst aufzuziehen. Dies zeigte sich vor allem im Fehlen der bisherigen Aufschlagsstärke und teilweise im nicht optimalen Annahmeverhalten.

So verlief der erste Satz zunächst überaus nervös, bis die Platzherren ihre Chance witterten, den verunsicherten Favoriten in die Schranken weisen zu können. Einige verunglückte Aufschläge des Tabellenführers führten zum zwischenzeitlichen 9:5 für die Platzherren und der ersten TG-Auszeit. Deren Wirkung verpuffte und die Gastgeber konnten, teilweise mit etwas Glück, ihren Vorsprung bis weit über die Satzmitte hinaus halten. Doch wie so oft in den letzten Spielen besannen sich die Männer um Kapitän Jan Herkommer auch auf ihre Kampfkraft und erzwangen, abgeschlossen durch einen Schnellangriff über Ralf Sauerbrey den knappen Satzerfolg.

Etwas stabiler, doch immer noch reichlich nervös wirkte die TG in Durchgang zwei, auf deren Seite Routinier Peter Gropper mittlerweile eingewechselt war. Stets knapp führend, gelang es dennoch nicht, die gewohnte Sicherheit längere Phasen zu halten. Zwar erwies sich der Annahmeriegel mit Libero Pascal Eisele, Jan Herkommer und Hannes Lampert als weitgehend zuverlässig, dennoch hatte Zuspieler Simon Scheerer alle Hände voll zu tun, um unsaubere Bälle zu zuverlässigen Vorlagen für seine Angreifer zu verwandeln. Es war gerade Scheerer, der in nahezu unglaublichen Situationen Bälle rettete und durch sein Kämpferherz die Seinen ein um’s andere Mal mitriss. Immer wieder gelang es jetzt, auch über die Mitte den ein oder anderen schnellen Ball zu schlagen, wie sich auch Hauptangreifer Pirmin Dewor besser in Szene setzen konnte. Dieses Mal war es Jan Herkommer, der den entscheidenden Ball zum wiederum knappen Satzendstand verwandelte.

Zum Leidwesen der Waldseer Fans hielt das Nervenflattern der TG-Cracks auch im dritten Satz an. Zwar versuchte Evi Müllerschön durch Auszeiten und Einwechslungen (Lucas Romer für Simon Scheerer und Axel Bloching für Pirmin Dewor) das Ihrige beizutragen, doch schrieb dieses Spiel seine eigenen Gesetze. Gegen Satzende gelang es der TG endlich, sich deutlicher abzusetzen, die Gastgeber hatten jetzt offensichtlich ihrem mit vollstem Einsatz geführten Spiel Tribut zu sollen.

Die Uhr zeigte 19:22Uhr, als beim Stand von 24:18 aus Waldseer Sicht der erste Matchball zur Meisterschaft anstand. Eine fast totsichere Angelegenheit, sollte man meinen. So einfach allerdings wollten es weder die Esslinger Gastgeber machen, noch konnte die TG zwingend ihre Chance nutzen. Nicht weniger als fünf Anläufe benötigte die TG, deren Fans mit ungläubigen Staunen und klopfendem Herzen das mögliche Unheil kommen sahen, bis eine solide Annahme Jan Herkommers Zuspieler Lucas Romer in Szene setzte. Dieser spielte einen sauberen Pass zur linken Außenposition, wo Hannes Lampert – im Übrigen der wohl sicherste TG-Spieler in diesem Match – zum Angriffsball bereit stand. Lampert visierte die Feldmitte des Gegners an, in der Hoffnung, dort sei man sich über die Abwehr nicht einig. Seine Rechnung ging auf und der Ball prallte von einem SV-Spieler ins Aus.

Erlösender Jubel auf den Rängen, die Waldseer Spieler liegen sich in den Armen und heiße Diskussionen der Esslinger mit dem Schiedsgericht, das für beide Seiten manchmal überraschende Entscheidungen getroffen hatte.

Müßig die Frage, ob das Match einen gerechten Ausgang genommen hat. Am Ende war es die mentale Kraft und der Wille, das große Ziel zu erreichen, was den Ausschlag gab. Die TG hat den größten Sieg davongetragen, den über sich selbst. Sie hat die eigenen Nerven besiegt und in so nicht erwarteter Weise einen verdienten Meistertitel errungen. Die Mannschaft Evi Müllerschöns spielt nächste Saison in der Regionalliga und wird am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Remshalden mit ihren treuen Fans die Meisterschaft feiern.

Das TG Aufgebot: Bloching, Dewor, Eisele, Gropper, Herkommer, Lampert, Niedermaier, Romer, Romstedt, Sauerbrey, Scheerer.

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