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3:2 Sieg des Spitzenreiters TG Bad Waldsee gegen die TSG Eislingen

Von Franz Vogel

Mit dem sehr hart erkämpften, wenn auch verdienten 3:2 (21:25, 25:15, 18:25, 25:11, 15:8) Heimsieg gegen den Tabellenletzten der Volleyballoberliga bleibt die TG zwar auf der Siegesstraße, trat allerdings erstmals in dieser Spielzeit einen Punkt ab. Das ausgerechnet dem Tabellenletzten, ist man versucht zu sagen. Freilich liegen die Dinge tiefer und komplizierter. Dass gerade Volleyballer keine Maschinen sind konnte man in diesem Spiel beeindruckend erleben.

„Die sind heute mit einem blauen Auge davongekommen“, hörte man nach 110 Minuten Spielzeit auf den Rängen ein um’s andere Mal. Dem konnte sich Trainerin Evi Müllerschön anschließen, nicht ohne mahnende Worte nachzulegen: „Männer, das war ein Warnschuss hoffentlich zur rechten Zeit…“

Was war geschehen? Hatten die beiden letzten wegweisenden Meisterschaftsspiele gegen die gefährlichsten Verfolger Botnang und Sindelfingen dem Team wirklich so viel Kraft gekostet? Die TG-Mannen wirkten fast ausnahmslos wie ausgebrannt, überspielt, fast apathisch. Offensichtlich sind die Akkus leer, zumindest die mentalen. Die Weihnachtspause kommt zur guten Zeit und scheint bitter von Nöten.

Immerhin blieb der TG nach der besten Vorrunde ihrer Geschichte die Höchststrafe in Form einer Heimniederlage gegen einen Tabellenletzten erspart. Dieses hatte man vor fast genau einem Jahr in der heimischen Halle erleben müssen. Mit letzter Kraft, gutem Willen und etwas Verletzungspech beim Gegner reichte es letztlich zum Erfolg.

Abtastend und zögerlich starteten beide Protagonisten ins Match. Gelang es zunächst der TG, bis zu vier Zähler zwischen sich und Gegner zu erreichen, wechselte das Dekor zu Satzmitte deutlich. Vermehrt leisteten sich die Platzherren Fehler, allesamt resultierend aus Unaufmerksamkeiten und Zaghaftigkeit. Als sich nach dem kollektiven Tiefschlaf der Mannschaft der Spielstand von 20:24 entwickelt hatte, reichte die mentale Kraft nicht mehr, diesen Spielabschnitt zuhause zu behalten.

Schnell ging die TG in Akt zwei in Führung, endlich klappten die Automatismen, unterstützt durch reihenweise Annahmefehler beim Tabellenletzten. Offensichtlich war die TG gewillt, nun Ernst zu machen und führte nach kurzer Zeit mit 14:5. Diesen Vorsprung verwaltete die Mannschaft Evi Müllerschöns und erreichte, kühl und humorlos, den Satzball zum 24:15. Es war schließlich Diagonalangreifer Pirmin Dewor, der mit einem gezielten Longlineball den Teilerfolg sicherte.

Dachte nun jedermann an einen sicheren Durchmarsch, würdig eines ungeschlagenen Tabellenführers, sah man sich brutal enttäuscht. Ehe sich die Schwarzblauen ins Spiel gedacht hatten, lagen sie deutlich 2:11 hinten. Evi Müllerschön versuchte in der Folge, ihre Möglichkeiten mit reihenweisen Auswechslungen und frühen Auszeiten ins Gefecht zu führen, an diesem Tag vergebens. Das Aufbäumen zum Schluss kam zu spät und zu halbherzig. Damit war für die TG die Zeit der reinen weißen Weste vorbei. Ein Punkt war schon einmal verloren.

Derartig, mit dem Rücken zur Wand und mit Hilfe der treuen Fans, die das Ganze noch nicht verloren gegeben hatten, rafften sich die kurstädtischen Cracks endlich auf. Jetzt gelangen schnelle Angriffe, nachdem sich die Defensive des Spitzenreiters in Gestalt von Herkommer, Lampert und Eisele stabilisiert hatte. Auch ließen auf Seiten der Eislinger Gäste die Kräfte sichtlich nach und man konnte ahnen, weswegen sich diese Mannschaft so weit hinten in der Tabelle eingerichtet hat.

Ein hektischer TieBreak mit zwei Verletzungsunterbrechungen bei den Gästen sah die TG wieder mit ihrem sicheren, zielorientierten, wenn auch komplett glanzlosen Zweckvolleyball vorne. Vor allem die Offensive mit Dewor, Lampert und Sauserbrey konnte sich nun nach Vorlagen von Scheerer entscheidend in Szene setzen. Auf diesen Angriffsdruck hatte die TSG keine Antwort mehr und strich schlussendlich die Flagge. Nichtsdestoweniger darf diese Gastmannschaft auf ihre Leistung stolz sein. Ihre Kampfbereitschaft und Coolness über weite Strecken hatten dem hohen Favoriten mehr Probleme bereitet, als Trainerin, Mannschaft und Fans lieb war.

Was in der anstehenden Rückrunde auf den Oberligaspitzenreiter zukommen wird, davon konnte er an diesem Abend reichlich kosten. Die schwersten Gegner, wie Dettingen, Sindelfingen und der wieder erstarkte ASV Botnang trifft man in deren Hallen. Evi Müllerschön wird die Zeit dahin nützen, ihre offensichtlich ausgebrannten Spieler wieder in Form zu bringen. So aber steht zunächst Regeneration an. Die leeren Akkus verlangen nach Aufladung.

Die TG: Herkommer, Lampert, Niedermaier, Scheerer, Romer, Dewor, Sauerbrey, Bergmann, Romstedt, Eisele.